FDP: Bus nur ein Baustein im Mobilitätsmix

17.07.2020

Bis Ende dieses Jahres muss Kronberg über die Eckpunkte seines Stadtbussystems für den Zeitraum 2022 bis 2030 entscheiden. Das ist für die FDP und ihre Bürgermeisterkandidatin Kristina Fröhlich Anlass, sich grundsätzliche Gedanken über den Mobilitätsmix der Zukunft zu machen.
Fröhlich: „Wir müssen als Stadt klare und informierte Entscheidungen treffen. Viele unkoordinierte Einzeldiskussionen und -entscheidungen verhindern eine durchdachte, nachhaltige Vorgehensweise. Die Betrachtung des Bussystems ohne Bezug zu anderen Mobilitätskomponenten ist sinnlos.“

Wir müssen künftig vor allem zwei Herausforderungen bewältigen: Zum einen die Senkung der verkehrsbedingten CO2-Belastung und zum anderen den Verkehrsinfarkt zu verhindern. Dieser droht uns Kronbergern in absehbarer Zeit – besonders bei der morgendlichen Fahrt mit dem PKW in Richtung Frankfurt.

Wie wir diesen Herausforderungen begegnen können, hat die Corona-Krise gezeigt: Schlicht und einfach durch den Verzicht auf Verkehr. Das Home Office hat sich spätestens seit Corona in vielen Fällen als äußerst leistungsfähiger Ersatz für die Präsenz in Büro und Konferenz erwiesen. Arbeitgeber haben nicht nur Vorurteile abgebaut, sondern dessen eindeutige Vorzüge, an erster Stelle den immensen Zeitgewinn, zu schätzen gelernt. Vor allem aber waren es die Arbeitnehmer, die durch den Wegfall der Fahrt zur Arbeit und zu Geschäftsreisen an Lebensqualität und dank der geschenkten Zeit mit Kindern und Familie gewonnen haben. Firmen könnten Mietkosten einsparen, wenn Mitarbeitern das Homeoffice wenigstens zeitweise ermöglicht würde. Voraussetzung für Kronberg wäre aber nicht nur die zu Recht geforderte Verbesserung des Mobilfunknetzes. Wichtiger noch wäre der schnelle Ausbau des 5 G-Netzes für ein einwandfreies, digitales Home Office. Wenn in Kronberg auch nur 20 % der derzeitigen Pendler von zuhause arbeiten würden, fielen 1.600 der 8.000 täglichen Fahrten ins Büro weg. Ein guter Beitrag gegen zur CO2-Minderung und zur Vermeidung von weiteren morgendlichen Staus!

Das Ifo Institut veröffentlichte jüngst eine interessante Studie mit dem Title „Homeoffice während der Pandemie und die Implikationen für eine Zeit nach der Krise“. Die wesentlichen Aussagen der Info Studie sind folgende:

  • 30% der Befragten haben während des lockdowns ganz oder teilweise im Homeoffice gearbeitet. Bei Beschäftigten mit Hochschulabschluss waren es sogar 60%;
  • 56% aller Beschäftigten könnten grundsätzlich vom Homeoffice arbeiten. D. h. Es gibt noch 26%-Punkte Potential für weitere Home-Office Tätigkeit;
  • Homeoffice verlangsamt die regionale Ausbreitung der Pandemie;
  • Eine schnelle Rückkehr zum alten „Normal“ ist nicht absehbar. 51% der Befragten gaben an, nicht vorschnell an den betrieblichen Arbeitaplatz zurückkehren zu wollen, um durch Social distancing die Ansteckungsgefahr für sich zu mindern;
  • Stellenanzeigen mit Ausschreibung als „Remote Job“ haben deutlich zugenommen;

Home Office scheint also für Viele das neue Nomal zu werden. Die wesentliche Frage ist, ob wir von einer nachhaltigen Veränderung der Art wie wir arbeiten ausgehen oder ob wir davon ausgehen, dass alle wieder nach einer gewissen Zeit zu ihren alten Gewohnheiten zurückkehren. In einer Studie haben englische Verhaltensforscher herausgefunden, dass es im Schnitt 66 Tage dauert bis eine neue Verhaltensweise zu einer Routine wird.

Dass in den nächsten Jahren der Autoverkehr nach Frankfurt zunehmen wird, liegt vor allem an dem zu erwartenden Bevölkerungswachstum der Stadt Kronberg, das mit der Fertigstellung der über 400 Neubauwohnungen in Kronberg einhergehen wird. Ferner wird auch die Erhöhung der S-Bahn Taktung bis zu 4-mal stündlich eine ziemlich dramatische Drosselung für den querenden Verkehr an beiden Bahnübergängen zur Folge haben. Schließlich wird, vor allem in Frankfurt, an einem massiven Ausbau der Fahrradwege zu Lasten des PKW-Verkehrs gearbeitet.

Auf der anderen Seite wird durch die erhöhte Frequenz der S-Bahn die Fahrt nach Frankfurt deutlich attraktiver. Obendrein haben wir mit einem Endbahnhof in Kronberg das Privileg, stets einen leeren Zug vorzufinden. Pendler hätten hier also eine echte Alternative zu einem drohenden Verkehrsinfarkt auf der Straße.

Bleibt die Frage, wie man morgens zum Bahnhof kommt. Dort soll im Zusammenhang mit der Sanierung des Bahnhofsareals eine moderne, große Fahrradstation gebaut werden, die diebstahlsicheres, trockenes Abstellen der Räder mit hoffentlich praktischem Spind für eventuelle Schutzkleidung bieten wird. Radler in Bürokleidung gehören in den Großstädten längst zum Straßenbild. Die kurze Fahrt zum (und von unserem) Bahnhof könnte als Frischlufteinlage sportliche Pendler zum Wechsel anregen. Auch der Elektroroller wird in Kronberg seine Freunde finden und kann, von seinem Nutzer zusammengeklappt, in der Bahn mitfahren, um nach dem Aussteigen die letzte Meile zum Büro zurückzulegen.

Schließlich bleiben uns ja noch die lokalen und regionalen Buslinien als Zubringer zur Bahn. Wenn auch hier nur 15 % der Pendler vom Auto zur S-Bahn wechseln, wären das weitere 1.200 wegfallende Autofahrten, die helfen würden, die oben beschrieben Ziele zu erreichen.Die Anforderungen an ein zukunftsgerechtes Mobilitätskonzept für Kronberg sind hoch, und gehen deutlich über die reine Versorgung mit Bussen hinaus. Kristina Fröhlich: „Die Verknüpfung von unterschiedlichen Verkehrsmitteln wie den Bus für die Kernzonen, das Anrufsammeltaxi für entlegene Stadtgebiete, das Carsharing für die gleiche Strecke sowie Fahrrad, E-Bike und E-Roller würde Kronberg ein flexibles, zukunftsfähiges Verkehrskonzept bringen können“